Umweltverträgliche Zementproduktion

 

Die deutsche Zementindustrie bekennt sich zur nachhaltigen Entwicklung und zum Umweltschutz. Im Mittelpunkt steht traditionell die Luftreinhaltung. Augenfälliges Beispiel ist die umfassende Entstaubung der Zementproduktion. Weltweit führende Standards wurden aber auch bei der Minderung der NOx- und der der SO2-Emissionen gesetzt. Dioxine, Furane und andere organische Verbindungen spielen aufgrund der prozessbedingt hohen Temperaturen bei der Zementproduktion keine Rolle. Informationen zur Renaturierung von Abbauflächen und Ressourcenschonung sind in der Rubrik Rohstoffpolitik nachzulesen.

Selbstverpflichtung zum Klimaschutz

Die deutsche Zementindustrie hat sich freiwillig verpflichtet, ihren spezifischen Energieverbrauch und die damit verbundenen CO2- Emissionen bis 2008/2012 (Basis1990) um 28 Prozent zu senken. Die Selbstverpflichtung ist ein wichtiger Baustein der Klimavorsorgevereinbarung zwischen Wirtschaft und Bundesregierung. Das Maßnahmenbündel zur CO2-Minderung umfasst die Ausschöpfung der verbleibenden verfahrenstechnischen Potenziale, die Einsparung fossiler Brennstoffe durch Sekundärbrennstoffe und die Substitution des gebrannten Zwischenprodukts Zementklinker. Die Zementindustrie erwartet, dass ihre Vorleistungen zum Klimaschutz bei der Weiterentwicklung der politischen Rahmenbedingungen angemessen berücksichtigt werden.

Ressourcenschonung durch Sekundärbrennstoffen

 

Die energetische und stoffliche Verwertung von Sekundärstoffen ist ökonomisch und ökologisch zielführend. Neben der Einsparung natürlicher Ressourcen kann der Einsatz von Sekundärstoffen einen wichtigen Beitrag zur Optimierung der Entsorgungsstrukturen und zur Entlastung der deutschen CO2-Bilanz leisten. Schließlich müssen geeignete Abfälle nicht extra an anderer Stelle deponiert oder verbrannt werden. Zugleich trägt der Einsatz von Sekundärstoffen zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit bei. Die Zementindustrie hält dabei die strengen abfall- und immissionsschutzrechtlichen Vorgaben ebenso sicher ein wie die hohen Anforderungen an die Produktqualität. Ökobilanzen bestätigen die Spitzenstellung der Branche in punkto Abfallverwertung.

Im Jahr 2010 deckte die deutsche Zementindustrie 61 Prozent ihres gesamten thermischen Energiebedarfs durch Sekundärbrennstoffe. Damit konnte der Anteil dieser Stoffe am Brennstoffmix zwischen 1990 und 2010 von 7,4 auf 61 Prozent gesteigert werden. Während der Einsatz von Altreifen und Altöl relativ konstant blieb, konnte der Einsatz geeigneter Fraktionen aus Industrie- und Gewerbeabfällen (Kunststoff, Papier und Pappe, Textilabfälle etc.) weiter gesteigert werden. Auch die energetische Verwertung aufbereiteter Siedlungsabfälle wird in Zukunft weiter zunehmen. 

Emissionshandel bleibt große Herausforderung

 

Klimaschutz und hierbei insbesondere die Minderung von Treibhausgasemissionen haben auch nach der gescheiterten UN-Klimakonferenz von Kopenhagen eine überragende Bedeutung in der europäischen Umweltpolitik. Dabei bildet der Emissionshandel das zentrale Steuerungsinstrument. Im Januar 2008 hatte die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Novellierung der europäischen Emissionshandelsrichtlinie für die Post-Kyoto-Phase ab 2013 (3. Handelsperiode) vorgelegt. Dieser sah eine drastische Verknappung der Emissionsrechte, eine Vollersteigerung von CO2-Zertifikaten für die Stromwirtschaft sowie eine schrittweise Versteigerung von Emissionsrechten für die Industrie bis zum Jahre 2020 vor. Spätestens dann hätte auch die Industrie ihre Zertifikate in vollem Umfang ersteigern sollen. 

Die Auswirkungen einer derartigen Entscheidung hätten einen Kostendruck von über 800 Mio. Euro jährlich für die Zementindustrie bedeutet und wären kaum zu bewältigen gewesen. In der Summe hätten die Belastungen fast 45 Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes der deutschen Zementindustrie und über 100 Prozent der Bruttowertschöpfung bedeutet. Eine Verlagerung der Klinkerproduktion einschließlich der dabei entstehenden Treibhausgasemissionen in Standorte außerhalb der Europäischen Union ("Carbon Leakage") wäre unausweichlich gewesen. 

Demgegenüber hatte sich die Zementindustrie stets für Regelungen eingesetzt, die die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrien insgesamt nicht gefährden und eine nachhaltige Klinker- und Zementproduktion auch künftig in Europa ermöglichen. Oberstes Ziel war eine kostenfreie Zuteilung der Zertifikate auf der Basis anspruchsvoller, aber fairer Benchmarks. Um diese Position zu untermauern, wurde die Unternehmensberatung McKinsey beauftragt, die Auswirkungen des Kommissionsvorschlages der EU auf die deutsche Zementindustrie zu ermitteln. Dabei zeigte sich, dass im Falle einer Vollversteigerung im Jahre 2020 der überwiegende Teil der deutschen Klinkerproduktion durch Importe bedroht gewesen wäre. Darüber hinaus wären zusätzliche CO2-Emissionen für die Transporte entstanden. Von daher hat sich die Zementindustrie auf nationaler und europäischer Ebene intensiv für eine entsprechende Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse eingesetzt. 

In den Beschlüssen des Europäischen Rates haben die Staats- und Regierungschefs die Argumentation der Wirtschaft teilweise aufgegriffen und energieintensive Industrien wie die Zementindustrie von der Versteigerung der Zertifikate unter bestimmten Voraussetzungen ausgenommen. Die Zementindustrie begrüßt diese Entscheidung. Dies ändert jedoch nichts an dem allgemeinen CO2-Minderungsziel von 21 Prozent bis 2020. Mit der kostenfreien Zuteilung von CO2-Zertifikaten auf Basis anspruchsvoller Produkt-Benchmarks stellt der Emissionshandel die Zementindustrie ab 2013 auch weiterhin vor erhebliche Herausforderungen.

Strompreissteigerung durch Emissionshandel

Die Strompreiseffekte des Emissionshandels zeigen, dass dieses Instrument in der Praxis zu Folgen führt, die seine "Erfinder" trotz deutlicher Warnungen nicht berücksichtigt haben. Aufgrund der Preisbildung am Strommarkt können die Energieversorger - anders als die im internationalen Wettbewerb stehende Industrie - alle Kosten mit großer Hebelwirkung weitergeben. Dies gilt sogar für die sogenannten Opportunitätskosten, die sich kalkulatorisch aus dem Verzicht auf den Verkauf kostenlos zugeteilter Emissionsrechte ergeben. 

 Allein durch den Emissionshandel hat sich seit Anfang 2005 der Großhandelsstrompreis erheblich verteuert. Dies führt zu zusätzlichen Belastungen insbesondere der energieintensiven Industrien. Es zeigt sich, dass das jetzige System gefährliche industriepolitische Folgen nach sich zieht, die in keinem Zusammenhang mit einem effektiven und effizienten Klimaschutz stehen. 

Für die Kompensation der indirekten Belastungen bei den stromintensiven Industrien sieht die neu gefasste Emissionshandels-Richtlinie eine entsprechende nationale Ausgestaltung vor. Die deutsche Zementindustrie wirbt gemeinsam mit dem Bundesverband Baustoffe, Steine und Erden und dem BDI für eine industrieverträgliche nationale Umsetzung, die den spezifischen Bedingungen des Industriestandortes Deutschland Rechnung trägt. 

 

   

Umweltdaten 2010

 

Die vorliegende 12. Ausgabe der "Umweltdaten der deutschen Zementindustrie" aktualisiert den seit 2000 jährlich herausgegebenen Bericht. An der zugrunde liegenden Erhebung beteiligen sich sämtliche Klinker produzierenden Werke in Deutschland. Sowohl die Ergebnisse der kontinuierlichen Emissionsüberwachung als auch der Einzelmessungen von Spurenelementen und organischen Abgasbestandteilen können somit für das Jahr 2010 vollständig dokumentiert werden.


Stand: 19.05.2012